Alpensalamander

ArtenschutzAlpensalamander

Das Alpensalamander Kompetenzzentrum wurde im Frühjahr 2025 gegründet, da für mehrere dutzend beschlagnahmter Alpensalamander dringend eine langfristige Unterbringung gesucht wurde.

Projektpartner sind:   

                               

Vorgeschichte

Im Herbst 2024 wurden im Keller einer Privatperson mehrere Dutzend Alpensalamander behördlich beschlagnahmt. Sie waren zuvor illegal in den italienischen Alpen abgesammelt worden. Es handelte sich dabei fast ausschließlich um Exemplare von drei extrem seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten bzw. Unterarten dieser Amphibien, die ausschließlich in wenigen abgelegenen Tälern in alpinen Höhenlagen vorkommen. Der von den Behörden als sachverständiger Salamander-Experte zu Hilfe gezogene Privathalter Uwe Seidel nahm die Salamander, die sich z.T. in gesundheitlich schlechtem Zustand befanden, zunächst in seine Obhut. Da eine Rückführung in den ursprünglichen Lebensraum nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden nicht mehr in Frage kam, stellte sich die Frage nach einer langfristigen Unterbringung.

Aufgrund der hohen Gefährdung im Freiland sollten die Salamander zum Aufbau einer ex situ Population genutzt werden. Solche Populationen in Menschenobhut stellen eine wichtige Sicherheitsreserve dar, sollte eine dieser kritisch bedrohten Salamanderformen in der Natur aussterben.

Deswegen hat Uwe Seidel die Artenschutzorganisation Citizen Conservation (Link: https://citizen-conservation.org/) feuersalamander.net

über den wertvollen Bestand an Salamandern informiert und bei der gemeinsamen Suche nach geeigneten Institutionen ist man in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen und dem Zoo Hannover fündig geworden, die sich bereit erklärt haben an diesem Projekt mitzuarbeiten. Nach Zustimmung der, für den Fall verantwortlichen Behörde, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) konnte der Bestand auf diese beiden Einrichtungen aufgeteilt werden. Innerhalb weniger Wochen wurde, mit finanzieller Unterstützung durch Citizen Conservation, in der Wildtier- und Artenschutzstation eine speziell auf die Bedürfnisse der Alpensalamander zugeschnittene Terrarienanlage aufgebaut.

Ein Problem ist, dass es kaum Erfahrungen in der dauerhaften Haltung und noch weniger mit der Nachzucht von Alpensalamandern gibt. Die an alpine Lebensräume angepassten Alpensalamander benötigen auch in der Haltung klimatische Bedingungen, die den natürlichen Verhältnissen entsprechen, d.h. sie mögen es kühl und brauchen eine Tag- / Nachtabsenkung der Temperaturen, wie es in Hochgebirgslagen normal ist. Bei dauerhaft warmen Temperaturen können Alpensalamander nicht lange überleben. Glücklicherweise besitzen die ehemals als Munitionslager gebauten Bunker auf dem Gelände der Wildtierstation genau die richtigen kühlen Temperaturen, bei denen sich Alpensalamander wohl fühlen. Mit einer entsprechenden Beleuchtung ausgestattet, lassen sich die Temperaturen tagsüber leicht erhöhen, so dass die Salamander die für ihre Futteraufnahme, Verdauung und andere Aktivitäten notwendige Vorzugstemperatur erreichen.

News zu unseren Alpensalamandern und zum Schutz unserer heimischen Feuersalamander findet man auch regelmäßig unter: https://feuersalamander.net/

Die Arten:

Lanzas-Alpensalamander © Florian Brandes

Lanzas Alpensalamander (Salamandra lanzai)

Der Lanzas Alpensalamander stellt eine eigene Art dar und lebt ausschließlich in einem kleinen Gebiet der Westalpen in der Grenzregion zwischen Italien und Frankreich, den Cottischen Alpen im westlichen Piemont. Er kommt dort in Höhen zwischen etwa 1.200 und 2.600 Metern NN vor, wobei überwiegend Biotope wie feuchte Alpenweiden, Zwergstrauchheiden und Schutthalden besiedelt werden. Der Lanzas Alpensalamander ist dem auch in Deutschland heimischen Alpensalamander (Salamandra atra) sehr ähnlich, weist jedoch einen robusteren Körperbau sowie einen abgerundeten Schwanz auf.

 

 

Aurora-Alpensalamander © Florian Brandes

Aurora-Alpensalamander (Salamandra atra aurorae)

Der Aurora-Alpensalamander ist eine, in einem sehr kleinen Verbreitungsgebiet endemische Unterart der Nominatform des Alpensalamanders (Salamandra atra atra), und kommt nur in der italienischen Provinz Vicenza in Höhenlagen zwischen 1300 m und 1800 m vor. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er in veränderlichen Anteilen eine gelbe Zeichnung, insbesondere entlang der Rückenlinie, aufweist. Das Habitat besteht aus Tannen- und Mischwaldbeständen auf einem ausgeprägten Lücken-Kluftsystem, das den Tieren Rückzugsmöglichkeiten in tiefe Bodenbereiche ermöglicht.

 

 

Pasubio-Alpensalamander © Florian Brandes

Pasubio-Alpensalamander (Salamandra atra pasubiensis)

Wie der Aurora-Alpensalamader stellt auch der Pasubio-Alpensalamander eine Unterart des Alpensalamders dar, die nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet im Pasubio-Massiv in den venezianischen Alpen in Nordostitalien hat. Er besiedelt ein offenes Hochtal mit schroffen Felswänden in einer Höhe von 1450 – 1700 m. Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Gräsern und einzelnen kleinen Bäumen zwischen Felsen und Geröllschutthaufen.

 

 

Bedrohungsfaktoren

Illegales Absammeln

Obwohl Alpensalamander nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt sind, werden immer noch Tiere in den Herkunftsgebieten illegal abgesammelt, da sie hohe Preise auf dem Schwarzmarkt erzielen. Da der Alpensalamander eine sehr geringe Fortpflanzungsrate hat, können diese Verluste nicht ausgeglichen werden. Noch dazu ist das Risiko der Einschleppung von Bsal (siehe unten) durch die illegalen Sammler, die in der Regel selber Salamanderhalter sind und sich durch verschiedene Salamanderhabitate bewegen, besonders hoch.

Salamanderfresser (Bsal / Batrachochytrium salamandrivorans)

Es handelt sich bei dem Salamanderfresser um einen, Pilz der eine für Schwanzlurche (Molche und Salamander) tödliche Hauterkrankung auslöst. Deutschland gilt als „Bsal-Hotspot“, besonders unser heimischer Feuersalamander ist betroffen und ganze Populationen drohen ausgelöscht zu werden.

Sollte Bsal in die Lebensräume kleiner und fragiler Alpensalamanderpopulationen eingeschleppt werden, besteht für diese ein sehr hohes Risiko, das sie komplett aussterben.

Klimawandel

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensräume dieser Alpensalamander können dramatische Folgen haben. Neben der Erwärmung der Gebiete kann das Abschmelzen der Gletscher auch zu Veränderungen im Wasserhaushalt der alpinen Lebensräume führen. Bei dem derzeitigen Tempo, in dem die Auswirkungen des Klimawandels im Alpenraum deutlich werden, können eng an die bisherigen Verhältnisse angepasste Arten wie der Alpensalamander nicht Schritt halten. Schon kleine Veränderungen im Lebensraum können dramatische Folgen für das Überleben der Alpensalamander haben.

 

Quicklinks

Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen